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05_Thomas-von-der-Heiden

Iedereen
Köln

Das Duo in der Rockmusik funktioniert nach dem Prinzip der Reduktion: Wer nur zu zweit auf
der Bühne steht, setzt meist auf Akzente statt auf Flächen, auf Gerüst statt auf Schmuck.
Weniger ist mehr, heißt dann notgedrungen die Devise.
Auch IEDEREEN kennen sich aus mit der Frage, was entsteht, wenn man immer mehr
weglässt, bis nur noch zwei Sachen übrigbleiben: die Freundschaft und die gemeinsame
Liebe zur Musik. Angefangen hat das Ganze in einem Sandkasten am Niederrhein, wo sich
Ron Huefnagels und Tom Sinke das erste Mal als Kindergartenkinder treffen und direkt
anfreunden. Eine typische Provinzjugend: IEDEREEN sind nicht die erste Band, der die
Reizarmut und die Metropolenferne dabei hilft, fixe Ideen zu fördern. Wenn es hier nichts
gibt, nehmen wir die Dinge eben selbst in die Hand, lautet das Credo der beiden, die
zusammen in verschiedenen Bands spielen, bis sie nach Köln ziehen. Zum Studieren, zum
Musikmachen, zum Ausprobieren.
Wo das Ganze musikalisch enden sollte, war lange unklar. Es gab eine Zeit, da stand
die Tür ihres Proberaums in Köln ständig offen. Befreundete Musiker kamen und gingen, es
wurde hier mal gejammt und dort jemand eingeladen. Du hast ein cooles Riff? Klar, komm
vorbei. Du spielst Querflöte? Klingt interessant, lass das mal probieren. Aber etwas
Greifbares kam nicht dabei heraus, einer nach dem anderen verabschiedete sich, und am
Ende blieben nur noch Ron und Tom übrig. Und selbst die glaubten nicht mehr, dass es
weitergehen würde. Der Mietvertrag für den Proberaum war schon gekündigt, als sich die
beiden ein allerletztes Mal dort verabredeten. „Wir haben es einfach fließen lassen“, erinnert
sich Ron. „Einfach Musik machen, ohne groß darüber nachzudenken.“ Irgendwas ist
geschehen in diesem Moment. War es ein Funke? Ein Blitz? Ein Neurotransmitter, der ihr
zentrale Nervensystem durcheinanderwirbelte? Fakt ist: Seit diesem Abend gibt es das Duo
IEDEREEN.

„Ich geh k.o., brenne lichterloh“: Schon der Opener „GKO“ ihres Debütalbums fasst in
wenigen Worten zusammen, worum es bei IEDEREEN geht. Um das Risiko, um die
Verausgabung, um den Einsatz weit über das Maß hinaus. Wenn man nur zu zweit ist, muss
man einfach mit höherem Engagement spielen, und es ist vor allem die Dringlichkeit und die
Energie dieser Band, die einen direkt am Kragen packt. Das hat durchaus etwas von dem
verzweifelten Ennui, den Bands wie die Fehlfarben oder Abwärts vor über 40 Jahren
formulierten. Und das führt einen dann auch musikalisch auf die richtige Fährte. Denn
IEDEREEN holen sich einen Teil ihres Inspirationsstoffs im Post-Punk der späten 70er und
frühen 80er., als Bands wie Wire, Gang Of Four oder Devo für Aufsehen sorgten. Hier wird
robotisch gegroovt, neurotisch gesungen, fatalistisch getextet – und das immer mit lockerer
Faust, um den Zuhörern bei Bedarf schnell mal eine reinzimmern zu können.
Die Formel lautet dabei laut Ron „50 Prozent der Songs sind düster, 50 Prozent eher
fröhlich.“ Tatsächlich ist es diese Balance, die IEDEREEN auszeichnet. Brachial und
kompromisslos auf der einen Seite, harmonisch und eingängig auf der anderen. Am Ende
geht es bei IEDEREEN nicht nur um Reflexion, sondern auch um den Augenblick, um den
Moment des Schwindels, um die Körperlichkeit, um die Feier und den Hedonismus,
letztendlich also – sagen wir, wie’s ist – ums Wegdröhnen und ums Ficken. Alte Punk-Tradition
eben. Ihr habt den Alltag? Wir haben den Fluchtweg!
Zwei Menschen machen Musik und schauen mal, was passiert. Das Rezept, nach dem
IEDEREEN handeln, klingt simpel, und es hat sich seit diesem einen Abend im Proberaum, ja
eigentlich seit dem ersten Treffen im Sandkasten auch nicht großartig verändert:
Freundschaft ist die Basis, Kreativität das Ergebnis.

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